Die echte französische Mandoline

Man kann keine Lieder darauf spielen, aber dafür wie ein Weltmeister Gemüse schnetzeln. Ich erinnere mich, das Gerät vor ein paar Jahren in München in einem speziellen Laden für ambitionierte Hobbyköche entdeckt zu haben.

Bild: CK, Mandoline
Bild: CK, klassische, französische Mandoline

Da ich schon des Öfteren von diesem Instrument gelesen hatte, dass es den profanen Elektrogeräten der Thermo-Mix-Generation weit überlegen sei, konnte ich nicht anders als es zu kaufen. Wohlgemerkt, es geht hier nicht um den einfachen Gemüsehobel, der auf Hausfrauenmessen von Marktmännern angeboten wird, die tonnenweise rohes Gemüse verarbeiten, dabei unglaublich viel reden können und niemals vergessen die einfache Reinigung hervorzuheben und die Sätze einfach nicht beenden. Wir reden hier von einem echten französischen Klassiker. Den speziellen Laden in München gibt es leider nicht mehr – wer sich aber in dieses echte Ding spontan verliebt und seiner habhaft werden will, wird bestimmt anderweitig fündig (eine der Bezugsquellen ist Manufaktum).

Was kann man mit der Mandoline anfangen, ausser sie anzustarren? Jegliche Gemüse in exakt einstellbare Scheiben und v.a. Stifte (Pommes Frites!), Julienne, Wellenwaffeln und dergleichen verwandeln. Und das auch bei grösseren Mengen. Ich habe allerdings eine Weile gebraucht, bis ich verstanden hatte, wie sie funktioniert. Einige Hebel und Messer sind da dran. Ich bezweifle, dass ein unbedarfter Hilfskoch, der nicht zuvor Maschinenbau studiert hat oder zum Schlosser ausgebildet wurde, sie gerne benutzen wird. Ich verwende sie dann, wenn die Mengen zu gross sind, als dass ich alles in kurzer Zeit mit dem Messer schneiden könnte.

Etwas raumgreifend ist die Mandoline in der Schublade. Der oben genannte Hausfrauenhobel hat daneben keinen Platz mehr. Ach ja, die Reinigung ist weniger kompliziert, als man annehmen könnte: einfach in die Spülmaschine stellen.

Für verhinderte Sportwagenfahrer

Er ist ein Sportwagen, der Pacojet. Eigentlich ein Profigerät, mit dem man umzugehen lernen muss. Die Preisdifferenz in Prozent zum normalen  Küchengerät ist etwa ähnlich wie diejenige zwischen einem Fiat cinquecento und einem Ferrari. Als Möchtegernöko und Küheversteher kann man natürlich nicht mit einer Benzinschleuder umherfahren, abgesehen vom nicht-intellektuellen Image, das sich bei Freunden unmittelbar einstellen würde.PacoJet

Um die männlichen Hormone auch ohne einen Ferrari zum Schwingen zu bringen, gäbe es noch Alternativen: Motorsägen, Trennschleifer, Ackerschlepper usw. Aber ich finde der Pacojet ist geradezu ideal. Allein der Sound beim Starten vermittelt Power. Da stehen gefühlte 200 PS im Küchenstall.

Nun aber im Ernst: Das Ding ist fürs Sahneschlagen nicht geeignet, auch wenn’s die Betriebsanleitung verheisst. Nach mehrmaligen Versuchen kam immer Butterähnliches aus der Maschine. Aber alles andere ist grandios. Ich kenne auch zwei Frauen, die dieses Gerät nicht mehr hergeben wollen. Man stelle sich eine Oberfräse vor, die sich mit 2000 Umdrehungen pro Minute bei 1 bar Überdruck in -22° C gefrorenes Material hineinarbeitet. Die Eiscreme ist phänomenal. Hinzu kommen Farcen für Terrinen, Sorbets, Creme-Suppen usw. Auch Smoothies könnten aus dem Gerät kommen.

Was bei einem hier in der Schweiz sozialisierten und ans Understatement gewöhnten Mitmenschen Fremdschämegefühle hervorruft, ist der Claim «When Cooking became Swiss». Der Spruch prangt auf dem zum Gerät mitgelieferten Kochbuch und auf der Website des Herstellers. Man muss diesen Claim aktiv geistig beiseite schieben, um das Gerät trotzdem zu kaufen. Er führt mit höchster Sicherheit zur Belustigung derjenigen, denen man das Gerät stolz zuhause vorführt.

Anleitungen zum Gebrauch und Hinweise zur Anwendungsvielfalt gibt es in Hülle und Fülle auf Youtube.