Burger basteln in Berlin

Kulinarische Hybride: der Ramen Burger im Chilees. Foto: se7entyn9ne

Kuriositäten zu entdecken macht Spass. Gefühlt bietet mittlerweile jeder dritte Esstempel im Berliner Prenzelberg Burger an. Anscheinend gibt es in diesem Stadtteil viele Leute, die nicht mehr willens sind, sich in einem der beiden traditionellen Gross-Anbieter von deren Neuentwicklungen überraschen zu lassen (die Ketten geben sich verzweifelt Mühe, immer neue Burger-Updates zu releasen). Die kleinen Anbieter sind offenbar noch innovativer.

Wenn es nicht zum folgenden Fall bereits einen Artikel gäbe, würde ich ihn selber – allerdings etwas bissiger – schreiben: Der ultimative Ramen-Burger (Kai Röger).  Das bedeutet: man verwende Nudeln (Ramen) anstatt Brötchen, mit den üblichen weiteren Komponenten wie Hackfleisch, Rucola, Mayo und ein paar Saucen. Das Brötchen durch Nudeln zu ersetzen, da wäre ich im Leben nicht drauf gekommen.

Hier erlaube ich mir eine Anmerkung zur allgemeinen Restaurant-Lage im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg: Es gibt mittlerweile sehr viele schön gestylte und gemütliche Läden, in denen z.B. Asiatische Gerichte neu kombiniert und meistens in einer Schüssel kredenzt werden (siehe auch folgender Zeit-Artikel: Essen aus dem Napf und weiterführende Literatur von Kati Krause zu „Clean Eating“). Man spürt die Professionalität im Gesamtauftritt. Wichtig ist es, wie im Konzept von Starbucks mit den gemütlichen Sitzgelegenheiten, dass man eine Ecke hat, in der man ungestört sein Handy bedienen kann. Die Kombination aus Gemütlichkeit und Napf machts: wenn man sein Essen aus der Schüssel löffelt, muss man auch nicht den Blick vom Handy nehmen.

Jedenfalls sind diese Restaurants sehr gut besucht. Hier können anscheinend Investoren im vermeintlich margen-unträchtigen Gastrogewerbe noch richtig Geld verdienen; wenn man sich an die Regeln hält, wie die Gäste zu beglücken sind. Als Hauptfaktoren fallen mir ein: Inneneinrichtung – leckeres Essen – schnelle Bedienung – nicht zu hoher Preis. So braucht man im Umami am Wochenende Glück, um einen Tisch zu ergattern. Wir haben es neulich zu siebt (!) geschafft. Nach 50 Minuten waren wir allerdings wieder draussen. Es war „super-lecker“ (Kommentare der Kunden auf der Website), alternativ zum Napf-Essen gibt es auch Thai-Burger auf der Speisekarte, und diese stets mit Vegi-Variante. Und man wurde schnell bedient (ebenfalls „super“).

Schnelle Bedienung bedeutet: die Speiesekarten liegen bereits auf dem Tisch, die Bestellung wird online in die Küche geleitet (5 min). Je nach Kapazität der dortigen Mannschaft ist das Essen in 10 min da. Kaum ist der Teller leer (10 min), wird dieser von der Bedienung weggerissen, während die anderen noch löffeln. Bestellt man kein Dessert, wird sogleich die Rechnung gebracht. Dieses Gebahren ist in Asien und den USA gang und gäbe, hierzulande eine Unart. Den Gewinn pro Sitzplatz erhöht man auch mit der Art der Einrichtung: indem man zu manchen Tischen zusätzlich Bänke hinstellt, auf die auch mal mehr Leute als üblich passen (gemütlich bis kuschelig). Wir mussten uns beim Hinausgehen durch die vor der Türe Wartenden drängeln. Das ist Stallbauplanung auf höchstem Niveau, um mal wieder meine Agro-Erfahrung einzubringen.

Ach ja, es entspann sich am Tisch eine interessante Diskussion, in der es um „falsche Italiener“ ging: es sind dies italienische Restaurants, die nebenbei auch Pizza Hawaii, Pizza Spaghetti, Alt-Berliner Eisbein oder Asiatisches anbieten (italienisch und international). Anything goes und der Gast freut sich, wie lecker und abwechlungsreich und innovativ das alles ist. Das wäre ein weiteres Thema für eine Kolumne. Ich frage mich ernsthaft, ob die Diskussion über ein angeblich zunehmendes kulinarisches Bewusstsein in Deutschland berechtigt ist?

CK

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