Tomatenrisotto mit Trüffelbutter und Gänseleber

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Bild: CK, Tomatenrisotto mit Gänseleber

Dieses Tomatenrisotto-Rezept hat eine Renaissance in unserer Küche erlebt. Ich habe es nach längerer Zeit in diesem Sommer wieder ausgegraben. Es stammt in seiner Urfassung vor sechs Jahren aus einem spanischen (!) Restaurant in Zürich. Nach ersten Versuchen es nachzukochen, wurde es jetzt ergänzt und verfeinert.
Es kamen neue Ingredienzen hinzu. Diese waren in erster Linie Cherry-Tomaten aus eigener Ernte mit einem sehr intensiven Geschmack. Ein grosses Experimentierfeld tat sich mit den „Beilagen“ auf: Trüffelbutter, Geflügelleber oder Rehschnitzel. Womit wir noch nicht am Ende der Kombinationsmöglichkeiten angelangt wären. Aber da die Tomaten so wichtig und im anstehenden Dreivierteljahr nicht mehr zu bekommen sind, werde ich vorerst nicht weiter damit experimentieren und das Rezept wieder für einige Zeit zur Seite legen.

Warum begeisterte mich das Rezept überhaupt? Hier trat genau das zutage, was mir bei gelungenen Gerichten immer wieder auffällt: jede Zutat für sich alleine schmeckt schon gut. Wer also einen Hühnerfond für ein Risotto vorbereitet und der Fond schmeckt schon so gut wie ein schönes Hühnersüppchen zu schmecken hat, kann fast nichts mehr falsch machen. Aber um alles mit den Beilagen zu einem harmonischen Ganzen zusammen zu setzen, musste ich doch viel testen.

Es war ein additives Verfahren. Die wichtigsten Ergebisse: Der Trüffelgeschmack war eine deutliche Steigerung des gesamten Geschmacksbildes. Die beiden Fleischsorten stellten sich zwar als perfekte Paarung mit dem angetrüffelten Tomatenrisotto heraus, waren aber im Ergebnis untereinander austauschbar.

Aber gehen wir die Zutaten im Einzelnen durch:
Als Reis habe ich Arborio verwendet, aber Baldo oder Carnaroli ginge auch. Die unterschiedlichen Reissorten haben sich nicht sehr stark bemerkbar gemacht.
Als erstes kamen die Tomaten. Das Verhältnis der Tomaten- (und Wein-)säure mit der Butter einzustellen, ist die eigentliche Herausforderung, die Basis sozusagen. Übrigens kommt die starke Gelbfärbung im Risotto ausnahmsweise nicht vom Safran (es ist ja keiner drin), sondern nur von den Tomaten. Ich habe die mit echtem UV-Licht aufgewachsenen Balkontomaten verwendet (man hätte sie auch wieder „solo“, mit etwas Salz essen können). Wer es ganz edel will, hat den Tomaten vorher die Haut abgezogen. Ich finde es aber schade, denn diese Schalen enthalten viele Geschmacksstoffe, die dann verloren gehen. Ich lasse sie folglich drin.
Es lohnt sich, richtig guten geriebenen Parmesan und knack-kalte Butter zu verwenden, am besten aus dem Gefrierschrank. Der Parmesan bringt einiges an Salz mit, also das Risotto erst ganz zum Schluss mit Salz abschmecken. Und die Butter scheint mir, wenn sie richtige kalt ist, am besten zu emulgieren.

Bei den Trüffeln hätte ich gerne echte Alba-Knollen verwendet, aber dann wäre das Gericht schlicht zu teuer geworden. Trüffelbutter ist noch einigermassen bezahlbar. Zum Trüffelöl greife ich nur sehr selten als Alternative, weil die Gefahr besteht, dass man synthetisches Zeugs erhält und auch noch ordentlich dafür Geld bezahlt. Mit der Trüffelbutter muss man die Intensität dieses Geschmacks einstellen, indem man ein bis zwei Esslöffel nach und nach dazu gibt und immer wieder probiert. Jede Trüffelbutter hat eine andere Intensität, je nach Art, Frische, Alter und Menge der verwendeten Trüffelstücke.

Fleisch: Falls, wie hier im Bild, echte Foie Gras verwendet wird, sollte diese sehr frisch sein (diejenige aus dem Glas ist völlig ungeeignet). Da ich diese Art Leber fast nie zubereite, habe ich sehr wenig Übung darin, den richtigen Garpunkt zu finden, aber irgendwie ist es hier geglückt. Dieser sehr fetten und tierschützerisch bedenklichen Variante lässt sich aber gut ausweichen: z.B. kann man eine etwas weniger fette Leber einer nicht malträtierten Gans oder Ente verwenden. Oder eben das Rehschnitzel nehmen, das sehr zart ist und nicht zu stark nach Wild schmeckt. Bei der Nicht-Foie-Gras-Leber kommt der Lebergeschmack stärker zum Tragen und kann leicht zu stark werden. Und es wird noch schwieriger, den richtigen Garpunkt zu treffen. Zu roh ist sie nicht essbar; myoglobinhaltiger Saft sollte nicht über den Teller laufen, das verdirbt einem den Appetit. Und zu stark durchgebraten wird sie unsäglich trocken.

Zutaten für 4 Personen
100 g Risottoreis
50 g kalte Butter
200 g Kirschtomaten, reif und mit Geschmack
1 Schalotte
1-2 Zehen Knoblauch
200 g frische Foie Gras (oder normale Gänseleber)
20 – 30 g geriebener Parmesan
Olivenöl
½ l Hühnerfond, heisses Wasser
1 Glas trockener Weisswein mit ausgewogener Säure
1 – 2 EL Trüffelbutter (oder echte Trüffel)
Pfeffer und Salz, für die Leber Fleur de Sel

Zubereitung
Die Schalotten fein würfeln, den Knoblauch ebenso. Beides farblos anschwitzen, den Reis hineingeben, etwas glasig werden lassen. Mit dem Wein ablöschen und mit dem Hühnerfond und heissem Wasser immer wieder nachfüllen und rühren. Dieses Risotto wird klassisch gerührt. Immer in esoterischen Achten (auf der Nordhalbkugel rechts, auf der Südhalbkugel links herum, wegen der Corioliskraft).
Wenn der Reis noch etwas knackig ist, werden die halbierten Tomaten dazu gegeben noch ein paar Minuten mitziehen bzw. schmelzen gelassen. Zwischendurch immer wieder probieren, denn die Tomaten bringen nicht nur Säure sondern auch Süsse mit. Dann den Parmesan, anschliessend die kalten Butterflocken und zum Schluss die Trüffelbutter unterrühren. Beim Abschmecken zeigt sich das wahre Können des Kochs. Zusätzliche Gewürze ausser Pfeffer und Salz braucht es meines Erachtens nicht.
In den letzten Sekunden vor dem Servieren die Leber anbraten, auf das Risotto setzen und nur mit etwas Fleur de Sel würzen (analog wäre mit den Rehschnitzeln zu verfahren: diese werden nur etwas mehliert, ein paar Sekunden in geklärter Butter angebraten. Ein paar Minuten ziehen lassen).

Dazu passt:

Château Gruaud-Larose 2002, AOC St-Julien

Gruaud Larose, 2002
Weitere Infos bitte ich dem Blog von Herrn Matthes zu entnehmen. Wir haben ihn sehr genossen. Ich ertappe mich bei solchen Gelegenheiten dabei, dass es mir Leid tut sowohl den Wein als auch das Gericht überhaupt zu vertilgen. Erstens ist das Gute dann weg (!) und Zweitens ist der Bilck auf den Teller desjenigen, der noch etwas hat, sehr frustrierend. Das Einzige was einem bleibt, ist besonders langsam zu essen und zu trinken.

 

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Chateau Pichon Longueville-Comtesse de Lalande, 2012
Man könnte einwenden, dass dieser Wein zu sehr vielen Speisen passt (siehe auch Variation vom Rinderfilet), man kann das Essen sogar weglassen. Aber mitunter hat man ja das Gefühl, dass Essen und Wein sich ergänzen. Das ist hier definitiv der Fall.

 

 

Wir haben noch weitere Empfehlungen, allesamt Barolos:
Giacosa Barolo 2010, DOCG Barolo
Fratelli Giacosa Barolo Bussia 2010, DOCG Barolo
Oberto Ciabot Berton 2010, DOCG Barolo
Azelia Barolo 2011, DOCG Barolo
Oberto Barolo Rocchettevino 2010, DOCG Barolo

 

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