Für verhinderte Sportwagenfahrer

Er ist ein Sportwagen, der Pacojet. Eigentlich ein Profigerät, mit dem man umzugehen lernen muss. Die Preisdifferenz in Prozent zum normalen  Küchengerät ist etwa ähnlich wie diejenige zwischen einem Fiat cinquecento und einem Ferrari. Als Möchtegernöko und Küheversteher kann man natürlich nicht mit einer Benzinschleuder umherfahren, abgesehen vom nicht-intellektuellen Image, das sich bei Freunden unmittelbar einstellen würde.PacoJet

Um die männlichen Hormone auch ohne einen Ferrari zum Schwingen zu bringen, gäbe es noch Alternativen: Motorsägen, Trennschleifer, Ackerschlepper usw. Aber ich finde der Pacojet ist geradezu ideal. Allein der Sound beim Starten vermittelt Power. Da stehen gefühlte 200 PS im Küchenstall.

Nun aber im Ernst: Das Ding ist fürs Sahneschlagen nicht geeignet, auch wenn’s die Betriebsanleitung verheisst. Nach mehrmaligen Versuchen kam immer Butterähnliches aus der Maschine. Aber alles andere ist grandios. Ich kenne auch zwei Frauen, die dieses Gerät nicht mehr hergeben wollen. Man stelle sich eine Oberfräse vor, die sich mit 2000 Umdrehungen pro Minute bei 1 bar Überdruck in -22° C gefrorenes Material hineinarbeitet. Die Eiscreme ist phänomenal. Hinzu kommen Farcen für Terrinen, Sorbets, Creme-Suppen usw. Auch Smoothies könnten aus dem Gerät kommen.

Was bei einem hier in der Schweiz sozialisierten und ans Understatement gewöhnten Mitmenschen Fremdschämegefühle hervorruft, ist der Claim «When Cooking became Swiss». Der Spruch prangt auf dem zum Gerät mitgelieferten Kochbuch und auf der Website des Herstellers. Man muss diesen Claim aktiv geistig beiseite schieben, um das Gerät trotzdem zu kaufen. Er führt mit höchster Sicherheit zur Belustigung derjenigen, denen man das Gerät stolz zuhause vorführt.

Anleitungen zum Gebrauch und Hinweise zur Anwendungsvielfalt gibt es in Hülle und Fülle auf Youtube.

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